Okay, wir geben es zu. Wir haben im Blog zu Stage 6
natürlich schon „es bitzeli“ tiefgestapelt, als wir sagten, wir wollten das
Ding einfach heimbringen und die Top100 seien sekundär. Wer uns kennt weiss,
dass wir „Racer“ sind und nicht einfach im Schlafwagen mitfahren können, wenn
vor uns die Post abgeht. Allerdings hatten wir auch einiges zu verlieren: Ein
bis dahin perfektes Rennen mit null Defekten, null groben Stürzen und eine
grandiose Woche wollten wir nicht noch auf den letzten 54km „versiechen“.
Der Tag fing erst mal eher schlecht an. Weil der Start erst
um 8:30 statt wie üblich um 7 Uhr erfolgte, war die ganze Logistik etwas aus
dem Konzept geraten und das halbe Fahrerfeld stand hungrig vor dem
geschlossenen Essenszelt. Die Zeit kann man nutzen, dachten wir uns und wollten
schnell unsere Bikes checken gehen, so wie jeden Morgen. Kurz schauen ob Pneus,
Gabel, Bremsen und Schaltung in Ordnung waren und unseren Boliden halt einfach
„guten Morgen“ sagen. Aber „oh Schreck“, unsere Bikes standen nicht da wo sie
sollten. Das hatten wir ja schon gehabt, also suchten wir den ganzen Bikepark
(1200 Bikes) nach unseren Lieblingen ab. Aber nirgends waren sie zu finden.
Also stapften wir leicht beunruhigt zu unseren Mechanikern, die völlig
übermüdet, aber in einer Ruhe mit der Kreditkartenmaschine und unseren Bikes
warteten. Sie hatten uns einfach vergessen zu sagen, dass wir unsere Bikes erst
gegen Bezahlung der Ersatzteile abholen konnten. Die Rechnungen waren
überraschend gering. 2 Gütterli Reifendichtungsmittel bei Urs und ein neuer
Umwerfer bei Mario. Nichts, das einen umwirft, wenn man sieht, was an den Bikes
so alles kaputt gehen kann. Wie beispielsweise bei Nadine und Hanspeter, einem
Couple, das ein fantastisches Rennen knapp hinter uns fuhr. Sein Rahmen brach
am Vortag entzwei. Über Nacht wurde das Ding repariert und er konnte
weiterracen. Sehr erfolgreich sogar.
Nach diesem Intermezzo ging’s ans Frühstück und dann packten
wir zum letzten Mal unsere Sachen zusammen. Alles etwas schneller als sonst,
denn wir wollten heute etwas früher am Start und damit weiter vorne im
Startblock stehen. Also fuhren wir 15 Minuten früher als gewohnt in unseren
„standesgemässen“ Startblock B.. Doch… hallo?
Was soll das? Scheinbar hatten alle anderen die gleiche Taktik und so
standen wir wie üblich fast zuhinterst.
| Der Blick aus dem "Cockpit" einige Minuten vor dem Start. |
Naja. Kein Problem, denn schliesslich war die Strecke aus
Stellenbosch raus recht breit und wir konnten uns da wieder etwas nach vorne
arbeiten. Und das taten wir dann auch. Wir gaben von der Startlinie aus
Vollgas. Wie wenn wir die letzten 7 Tage nur auf dem Sofa gelegen hätten. Es
ging gleich in eine heftige Steigung, die das Feld auseinanderriss. Wir waren
gut dran und konnten eine anständige Pace fahren. „So sött’s lange… dachten
wir“. Dabei hatten wir immer 2 Zahlen im Kopf: 302 und 210. Das waren die
Nummern der Teams, die im Gesamtklassement hinter uns lagen. Es war immer ein
wenig wie Bingo. Wenn uns jemand überholte, wurde immer gleich die Nummer
gecheckt.
Die Strecke führte durch die wunderschöne Gegend um
Stellenbosch und über etliche stattliche Weingüter. Es war schon etwas hart,
als wir in einem steilen Aufstieg um das Weingut von Ernie Els fahren mussten.
Hier hatten wir vor 2 Jahren auf der Terrasse bei einem feinen Glas Bordeaux
Blend die fantastische Aussicht genossen und uns vom Cape Epic 2011 erholt.
Jetzt mussten wir voll am Limit einer Gruppe hinterherjagen.
Entlang der ganzen Strecke war Volksfeststimmung. Tausende
Zuschauer klatschten, jubelten und spornten jeden einzelnen Fahrer an, der sich
an ihnen vorbeikämpfte. Und der Kampf war je länger je härter. Irgendwann waren
unsere Batterien einfach leer. Jede kleine Steigung schmerzte. Der Aufsteller
war, dass es allen rundherum gleich ging. Alle waren am Ende. Bis auf zwei. Als
wir etwa 10 Kilometer vor dem Ziel waren und uns geistig schon auf ein
gemütliches Ausrollen nach Lourensford freuten, preschte ein Team mit Vollgas
an uns vorbei… Die 302. Wir hätten beide in den Lenker beissen können. Was nun?
„Hineher!“ rief Mario mit der letzten Luft, die er noch übrig hatte. Also wurde
noch ein 50-Meter langer Aufstieg raufgespurtet. Noch einige Fahrer überholt. Dann
ging’s geradeaus, aber die beiden legten so ein Tempo vor, dass wir einfach
nicht folgen konnten. Ausserdem wurde die Strecke dann enger und sie hatten
sich vor ein paar andere Teams geschoben. Auf dem folgenden Singletrail hiess
es einfach, den Schaden in Grenzen zu halten. Unser Vorsprung vor der Etappe
auf die 302 hatte knapp 2 Minuten betragen. Wir holten also nochmal alles aus
uns raus, aber die 302 war ausser Sichtweite verschwunden und wir versuchten
einfach, die Pace eines anderen schnellen Teams zu halten. Das Ziel wollte und
wollte nicht kommen. Der Kilometerzähler zeigte schon weit über 54 an und die
5-Kilometer-Tafel war noch immer nicht gekommen. Die war aber zum Glück
vergessen gegangen, denn plötzlich konnten wir den Speaker hören und das Zielgelände
lag vor uns.
Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn der Vorderreifen
den heiligen Rasen des Mountainbikesports berührt. Die Polowiese von
Lourensford ist das, was die Champs-Elisées für die „Gümmeler“ ist. Das Ziel
all unserer Anstrengungen der letzten Woche. Wir fuhren um die letzte Kurve. Entlang
der jubelnden Zuschauer. Wir konnten einige Schweizerfahnen ausmachen und Mario
sprintete nochmal. Dann fuhren wir endlich über die Ziellinie. Wir hatten es
geschafft. What a race!
Kein grober Sturz, bloss ein paar Ausrutscher, die nicht
mehr als ein paar Kratzer hinterliessen (nach den Standards von Käthy und Jürg
Pfister „zähled die nöd“).
Kein einziger Defekt, bloss etwas Probleme weil unsere
hiesigen Mechaniker etwas Anlaufschwierigkeiten hatten, aber unsere Bikes
liefen tadellos und absolut fehlerfrei.
Und… Platz 98 in der Gesamtwertung. Team 302 konnte uns nur
gut 20 Sekunden abnehmen. Team 210 hatte uns irgendwie überholt, aber die
beiden waren halt einfach stärker und belegten in der Tageswertung den 52 Platz
und im Gesamtklassement schliesslich den 95. Platz. Wir hatten also noch einen
Platz verloren, aber die Top100 hatten wir geschafft. Unglaublich. Das hätten
wir nie für möglich gehalten.
| Die Zielgerade in Lourensford |
Was dann kam, war der Lohn für die Strapazen. Erst mal
einfach eine grosse Erleichterung. Ein riesiges Glücksgefühl. „From Effort
comes Reward“, hiess es mal. Und so ist es. Wir schoben unsere Bikes über die
Finisherbrücke zur Medallienübergabe. Es ist mittlerweile Tradition, dass die
Profis den Hobbyfahrern ihre Finishermedaillien überreichen. Wir konnten unsere
„Trophäe“ von Florian Vogel und den Tagessiegern, José Hermida und Rudi van
Houts entgegennehmen. Dabei hatten wir auch noch ein wenig Zeit, mit den dreien
zu plaudern. Auf die Frage von Hermida (Weltmeister 2010 und fünffacher Cape
Epic Finisher), ob wir nächstes Jahr wiederkämen, war die Antwort klar: NO!
NEVER… (aber das sagten wir vor 2 Jahren auch schon). Es folgte ein Handshake
mit Kevin Vermaak, der diesen Event innert 10 Jahren von nichts aufgebaut und
zum Grössten Mountainbike-Event der Welt gemacht hat. Dann zur Übergabe der
diversen Präsente, Bikes zum Waschen abgeben, kurz unter die Dusche und dann…
Die Lunchboxes abholen….
Die allein sind einiges an Anstrengung wert. Südafrikaner sind scheinbar Picknicker… Auf jeden Fall verwandelt sich das ganze Zielgelände während des Nachmittags zu einer riesigen Picknickwiese und alle Fahrer plündern die grosse Kühltasche, die sie als Präsent erhalten. Der Inhalt ist reichlich und reicht für mind. 2 Apéros. Wir machten es uns in einem grossen Zelt gemütlich und Team um Team gesellte sich zu uns:
Die allein sind einiges an Anstrengung wert. Südafrikaner sind scheinbar Picknicker… Auf jeden Fall verwandelt sich das ganze Zielgelände während des Nachmittags zu einer riesigen Picknickwiese und alle Fahrer plündern die grosse Kühltasche, die sie als Präsent erhalten. Der Inhalt ist reichlich und reicht für mind. 2 Apéros. Wir machten es uns in einem grossen Zelt gemütlich und Team um Team gesellte sich zu uns:
Markus und Reto, die beiden „Grand Masters“, die der Meinung
sind, dass in dieser Kategorie die Zeit erst gestoppt werden dürfte, wenn jeder
Fahrer mindestens 2 Bier getrunken hat. Sie waren fantastisch unterwegs.
| Ein Teil der erfolgreichen Schweizer Cape Epic Delegation |
Dominik und Jürg, die „Säntis Buebe“, die noch schnell auf
der Startlinie ein Reifenventil wechseln konnten, ohne aus dem Konzept zu
geraten und die uns mit den Kontaktlinsen aus einer ganz üblen Situation
gerettet hatten. Auch sie sind heil und glücklich nach Lourensford gekommen.
Reto von 20 Minuten. Seine Story ist der Hammer. An seiner
Stelle hätten wir den Bettel fünfmal hingeschmissen. Unglaublich, was er
durchgezogen hat. Und auch Viviane schaute kurz rein, die Maschine, die das
halbe Feld den Berg hoch zog, der dann aber die Gesundheit einen Strich durch
die Rechnung macht.
Und dann Maja und die beiden Miriams, die uns am Waterpoint
2 immer so toll unterstützt hatten und uns immer ein Stückchen Heimat in den
Sand von Südafrika zauberten.
So mampften und feierten wir unsere Elebnisse. Richtig
begreifen und verdauen werden wir das Ganze aber erst in den nächsten Tagen.
Das Gesamtklassement gewannen Sauser/Kuhlavy vom Burry
Stander Songo Team auf eindrückliche Art und Weise. Sie würden sich für Burry zerreissen, sagten
die beiden im Vorfeld. Well done. Ganz grosses Kino.
Bei den Damen gewannen Catherine Wiliamson und Jolande
Speedy. Die beiden, die wir die letzten 3 Tage immer hinter uns gelassen hatten.
Schade, dass Esther Süss wegen gesundheitlicher Beschwerden hatte aufgeben
müssen. Sie hätte ganz grosse Chancen auf den Sieg gehabt.
Bis jetzt nie erwähnt haben wir das beste Mixed-Team. Völlig
zu unrecht. Ariane und Erik Kleinhans gewannen an 7 von 8 Tagen und mit grossem
Abstand auch die Gesamtwertung. Wir hatten die beiden 2011 kennengelernt, als
Ariane noch Lüthi hiess und verfolgen den Werdegang der beiden seither. Toll,
was die beiden leisten und wie sympathisch sie trotzdem geblieben sind. Wir freuen
uns auf weitere Erfolge der beiden.
Tja… das war’s aus Südafrika. Natürlich nicht, ohne Euch
allen ganz herzlich zu danken:
Unseren Freundinnen, die manche Stunde auf uns verzichten
mussten, weil wir irgendwo am Trainieren waren. Wir werden jetzt mehr Zeit
zuhause verbringen, vorerst vornehmlich auf dem Sofa oder im Liegestuhl.
Unseren vielen Freunden und Verwandten, die uns während der
ganzen Woche Messages schickten und uns anfeuerten. Eure Sprüche waren der Hammer und haben uns
enorm beflügelt.
Unserem Sponsor und Teammechaniker Thomas Kalberer und seinem
Team von Chälbli Bikes für die erneut grossartige Unterstützung und die guten
Tipps. Wir möchten hier auch erwähnen, dass der Chälbli-Mechaniker Rick Reimann
auf den fantastischen 16. Schlussrang der Männerkategorie fuhr. Eine
Wahnsinnsleistung! Great Job, Rick und Tom.
Und dann noch ein herzlicher Dank an alle, die uns sonst
noch unterstützt haben und die wir hier nicht namentlich erwähnt haben. Es war
einfach grandios.
Das Schlusswort möchten wir dem grossen und leider viel zu
früh verstorbenen Burry Stander überlassen:
„You can buy your Cape Epic Entry but you can’t buy your Finish… You have to earn your Finish“…
Danke, Burry, schade konntest Du nicht mehr dabei sein konntest.
„You can buy your Cape Epic Entry but you can’t buy your Finish… You have to earn your Finish“…
Danke, Burry, schade konntest Du nicht mehr dabei sein konntest.

