Montag, 25. März 2013

Stage 7: Aux Champs-Elisées


Okay, wir geben es zu. Wir haben im Blog zu Stage 6 natürlich schon „es bitzeli“ tiefgestapelt, als wir sagten, wir wollten das Ding einfach heimbringen und die Top100 seien sekundär. Wer uns kennt weiss, dass wir „Racer“ sind und nicht einfach im Schlafwagen mitfahren können, wenn vor uns die Post abgeht. Allerdings hatten wir auch einiges zu verlieren: Ein bis dahin perfektes Rennen mit null Defekten, null groben Stürzen und eine grandiose Woche wollten wir nicht noch auf den letzten 54km „versiechen“.

Der Tag fing erst mal eher schlecht an. Weil der Start erst um 8:30 statt wie üblich um 7 Uhr erfolgte, war die ganze Logistik etwas aus dem Konzept geraten und das halbe Fahrerfeld stand hungrig vor dem geschlossenen Essenszelt. Die Zeit kann man nutzen, dachten wir uns und wollten schnell unsere Bikes checken gehen, so wie jeden Morgen. Kurz schauen ob Pneus, Gabel, Bremsen und Schaltung in Ordnung waren und unseren Boliden halt einfach „guten Morgen“ sagen. Aber „oh Schreck“, unsere Bikes standen nicht da wo sie sollten. Das hatten wir ja schon gehabt, also suchten wir den ganzen Bikepark (1200 Bikes) nach unseren Lieblingen ab. Aber nirgends waren sie zu finden. Also stapften wir leicht beunruhigt zu unseren Mechanikern, die völlig übermüdet, aber in einer Ruhe mit der Kreditkartenmaschine und unseren Bikes warteten. Sie hatten uns einfach vergessen zu sagen, dass wir unsere Bikes erst gegen Bezahlung der Ersatzteile abholen konnten. Die Rechnungen waren überraschend gering. 2 Gütterli Reifendichtungsmittel bei Urs und ein neuer Umwerfer bei Mario. Nichts, das einen umwirft, wenn man sieht, was an den Bikes so alles kaputt gehen kann. Wie beispielsweise bei Nadine und Hanspeter, einem Couple, das ein fantastisches Rennen knapp hinter uns fuhr. Sein Rahmen brach am Vortag entzwei. Über Nacht wurde das Ding repariert und er konnte weiterracen. Sehr erfolgreich sogar.

Nach diesem Intermezzo ging’s ans Frühstück und dann packten wir zum letzten Mal unsere Sachen zusammen. Alles etwas schneller als sonst, denn wir wollten heute etwas früher am Start und damit weiter vorne im Startblock stehen. Also fuhren wir 15 Minuten früher als gewohnt in unseren „standesgemässen“ Startblock B.. Doch… hallo?  Was soll das? Scheinbar hatten alle anderen die gleiche Taktik und so standen wir wie üblich fast zuhinterst.
Der Blick aus dem "Cockpit" einige Minuten vor dem Start.

Naja. Kein Problem, denn schliesslich war die Strecke aus Stellenbosch raus recht breit und wir konnten uns da wieder etwas nach vorne arbeiten. Und das taten wir dann auch. Wir gaben von der Startlinie aus Vollgas. Wie wenn wir die letzten 7 Tage nur auf dem Sofa gelegen hätten. Es ging gleich in eine heftige Steigung, die das Feld auseinanderriss. Wir waren gut dran und konnten eine anständige Pace fahren. „So sött’s lange… dachten wir“. Dabei hatten wir immer 2 Zahlen im Kopf: 302 und 210. Das waren die Nummern der Teams, die im Gesamtklassement hinter uns lagen. Es war immer ein wenig wie Bingo. Wenn uns jemand überholte, wurde immer gleich die Nummer gecheckt.

Die Strecke führte durch die wunderschöne Gegend um Stellenbosch und über etliche stattliche Weingüter. Es war schon etwas hart, als wir in einem steilen Aufstieg um das Weingut von Ernie Els fahren mussten. Hier hatten wir vor 2 Jahren auf der Terrasse bei einem feinen Glas Bordeaux Blend die fantastische Aussicht genossen und uns vom Cape Epic 2011 erholt. Jetzt mussten wir voll am Limit einer Gruppe hinterherjagen.
Entlang der ganzen Strecke war Volksfeststimmung. Tausende Zuschauer klatschten, jubelten und spornten jeden einzelnen Fahrer an, der sich an ihnen vorbeikämpfte. Und der Kampf war je länger je härter. Irgendwann waren unsere Batterien einfach leer. Jede kleine Steigung schmerzte. Der Aufsteller war, dass es allen rundherum gleich ging. Alle waren am Ende. Bis auf zwei. Als wir etwa 10 Kilometer vor dem Ziel waren und uns geistig schon auf ein gemütliches Ausrollen nach Lourensford freuten, preschte ein Team mit Vollgas an uns vorbei… Die 302. Wir hätten beide in den Lenker beissen können. Was nun? „Hineher!“ rief Mario mit der letzten Luft, die er noch übrig hatte. Also wurde noch ein 50-Meter langer Aufstieg raufgespurtet. Noch einige Fahrer überholt. Dann ging’s geradeaus, aber die beiden legten so ein Tempo vor, dass wir einfach nicht folgen konnten. Ausserdem wurde die Strecke dann enger und sie hatten sich vor ein paar andere Teams geschoben. Auf dem folgenden Singletrail hiess es einfach, den Schaden in Grenzen zu halten. Unser Vorsprung vor der Etappe auf die 302 hatte knapp 2 Minuten betragen. Wir holten also nochmal alles aus uns raus, aber die 302 war ausser Sichtweite verschwunden und wir versuchten einfach, die Pace eines anderen schnellen Teams zu halten. Das Ziel wollte und wollte nicht kommen. Der Kilometerzähler zeigte schon weit über 54 an und die 5-Kilometer-Tafel war noch immer nicht gekommen. Die war aber zum Glück vergessen gegangen, denn plötzlich konnten wir den Speaker hören und das Zielgelände lag vor uns.

Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn der Vorderreifen den heiligen Rasen des Mountainbikesports berührt. Die Polowiese von Lourensford ist das, was die Champs-Elisées für die „Gümmeler“ ist. Das Ziel all unserer Anstrengungen der letzten Woche. Wir fuhren um die letzte Kurve. Entlang der jubelnden Zuschauer. Wir konnten einige Schweizerfahnen ausmachen und Mario sprintete nochmal. Dann fuhren wir endlich über die Ziellinie. Wir hatten es geschafft. What a race!

Kein grober Sturz, bloss ein paar Ausrutscher, die nicht mehr als ein paar Kratzer hinterliessen (nach den Standards von Käthy und Jürg Pfister „zähled die nöd“).

Kein einziger Defekt, bloss etwas Probleme weil unsere hiesigen Mechaniker etwas Anlaufschwierigkeiten hatten, aber unsere Bikes liefen tadellos und absolut fehlerfrei.

Und… Platz 98 in der Gesamtwertung. Team 302 konnte uns nur gut 20 Sekunden abnehmen. Team 210 hatte uns irgendwie überholt, aber die beiden waren halt einfach stärker und belegten in der Tageswertung den 52 Platz und im Gesamtklassement schliesslich den 95. Platz. Wir hatten also noch einen Platz verloren, aber die Top100 hatten wir geschafft. Unglaublich. Das hätten wir nie für möglich gehalten.
Die Zielgerade in Lourensford

Was dann kam, war der Lohn für die Strapazen. Erst mal einfach eine grosse Erleichterung. Ein riesiges Glücksgefühl. „From Effort comes Reward“, hiess es mal. Und so ist es. Wir schoben unsere Bikes über die Finisherbrücke zur Medallienübergabe. Es ist mittlerweile Tradition, dass die Profis den Hobbyfahrern ihre Finishermedaillien überreichen. Wir konnten unsere „Trophäe“ von Florian Vogel und den Tagessiegern, José Hermida und Rudi van Houts entgegennehmen. Dabei hatten wir auch noch ein wenig Zeit, mit den dreien zu plaudern. Auf die Frage von Hermida (Weltmeister 2010 und fünffacher Cape Epic Finisher), ob wir nächstes Jahr wiederkämen, war die Antwort klar: NO! NEVER… (aber das sagten wir vor 2 Jahren auch schon). Es folgte ein Handshake mit Kevin Vermaak, der diesen Event innert 10 Jahren von nichts aufgebaut und zum Grössten Mountainbike-Event der Welt gemacht hat. Dann zur Übergabe der diversen Präsente, Bikes zum Waschen abgeben, kurz unter die Dusche und dann… Die Lunchboxes abholen….



Die allein sind einiges an Anstrengung wert.  Südafrikaner sind scheinbar Picknicker… Auf jeden Fall verwandelt sich das ganze Zielgelände während des Nachmittags zu einer riesigen Picknickwiese und alle Fahrer plündern die grosse Kühltasche, die sie als Präsent erhalten. Der Inhalt ist reichlich und reicht für mind. 2 Apéros. Wir machten es uns in einem grossen Zelt gemütlich und Team um Team gesellte sich zu uns:


Ein Teil der erfolgreichen Schweizer Cape Epic Delegation
Markus und Reto, die beiden „Grand Masters“, die der Meinung sind, dass in dieser Kategorie die Zeit erst gestoppt werden dürfte, wenn jeder Fahrer mindestens 2 Bier getrunken hat. Sie waren fantastisch unterwegs.

Dominik und Jürg, die „Säntis Buebe“, die noch schnell auf der Startlinie ein Reifenventil wechseln konnten, ohne aus dem Konzept zu geraten und die uns mit den Kontaktlinsen aus einer ganz üblen Situation gerettet hatten. Auch sie sind heil und glücklich nach Lourensford gekommen.
Reto von 20 Minuten. Seine Story ist der Hammer. An seiner Stelle hätten wir den Bettel fünfmal hingeschmissen. Unglaublich, was er durchgezogen hat. Und auch Viviane schaute kurz rein, die Maschine, die das halbe Feld den Berg hoch zog, der dann aber die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung macht.

Und dann Maja und die beiden Miriams, die uns am Waterpoint 2 immer so toll unterstützt hatten und uns immer ein Stückchen Heimat in den Sand von Südafrika zauberten.

So mampften und feierten wir unsere Elebnisse. Richtig begreifen und verdauen werden wir das Ganze aber erst in den nächsten Tagen.

Das Gesamtklassement gewannen Sauser/Kuhlavy vom Burry Stander Songo Team auf eindrückliche Art und Weise.  Sie würden sich für Burry zerreissen, sagten die beiden im Vorfeld. Well done. Ganz grosses Kino.

Bei den Damen gewannen Catherine Wiliamson und Jolande Speedy. Die beiden, die wir die letzten 3 Tage immer hinter uns gelassen hatten. Schade, dass Esther Süss wegen gesundheitlicher Beschwerden hatte aufgeben müssen. Sie hätte ganz grosse Chancen auf den Sieg gehabt.

Bis jetzt nie erwähnt haben wir das beste Mixed-Team. Völlig zu unrecht. Ariane und Erik Kleinhans gewannen an 7 von 8 Tagen und mit grossem Abstand auch die Gesamtwertung. Wir hatten die beiden 2011 kennengelernt, als Ariane noch Lüthi hiess und verfolgen den Werdegang der beiden seither. Toll, was die beiden leisten und wie sympathisch sie trotzdem geblieben sind. Wir freuen uns auf weitere Erfolge der beiden.

Tja… das war’s aus Südafrika. Natürlich nicht, ohne Euch allen ganz herzlich zu danken:

Unseren Freundinnen, die manche Stunde auf uns verzichten mussten, weil wir irgendwo am Trainieren waren. Wir werden jetzt mehr Zeit zuhause verbringen, vorerst vornehmlich auf dem Sofa oder im Liegestuhl.

Unseren vielen Freunden und Verwandten, die uns während der ganzen Woche Messages schickten und uns anfeuerten.  Eure Sprüche waren der Hammer und haben uns enorm beflügelt.

Unserem Sponsor und Teammechaniker Thomas Kalberer und seinem Team von Chälbli Bikes für die erneut grossartige Unterstützung und die guten Tipps. Wir möchten hier auch erwähnen, dass der Chälbli-Mechaniker Rick Reimann auf den fantastischen 16. Schlussrang der Männerkategorie fuhr. Eine Wahnsinnsleistung! Great Job, Rick und Tom.

Und dann noch ein herzlicher Dank an alle, die uns sonst noch unterstützt haben und die wir hier nicht namentlich erwähnt haben. Es war einfach grandios.

Das Schlusswort möchten wir dem grossen und leider viel zu früh verstorbenen Burry Stander überlassen:

„You can buy your Cape Epic Entry but you can’t buy your Finish… You have to earn your Finish“…

Danke, Burry, schade konntest Du nicht mehr dabei sein konntest.

Samstag, 23. März 2013

Stage 6: Das Rennen unseres Lebens (zum 3.)


Der heutige Tag fing denkbar schlecht an. Aufwachen, Oropax ausstöpseln und...: "Das cha nöd sii! "Wasser prasselte auf unsere Zelte... Es regnete... In Südafrika.. In den Ferien... Davon stand nichts im Prospekt! Also standen wir missmutig auf und schlurften zum Esszelt rüber. Dort war die Stimmung natürlich ebenfalls so betrübt wie der Himmel. Nach dem Essen gab’s zwei Möglichkeiten. Sich nochmal ins Zelt zu verkriechen oder sich ein ruhiges, abgelegenes Toitoi suchen und dort Facebook und Skype checken. Beides führte zum gleichen Resultat: Nach 20 Minuten hatte der Regen aufgehört. Trotzdem führten wir unsere Regenjacken sicherheitshalber den ganzen Tag über mit. Letztes Jahr mussten etliche Fahrer mit Unterkühlungen behandelt werden, weil sie nicht richtig ausgerüstet in einen Wetterumschwung gerieten. Wenn einem das passiert und man die rettende Jacke auch noch in seiner Tasche gehabt hätte, tut’s doppelt weh. Also sparten wir nicht am Gewicht.

Am Start standen wir zum 13. Mal in unserer Karriere in Startblock B. Diesmal fanden wir den auch auf Anhieb, nicht wie gestern, als wir den Hintereingang nehmen mussten. Startblock B liegt immer quer zu allen anderen Startblöcken und man „defiliert“ sozusagen vor den vordersten Fahrern der anderen Startblöcke vorbei. Nicht, dass wir das nötig hätten, aber gut tut’s schon…

Die Startphase verläuft von Tag zu Tag entspannter. Auf einer breiten Asphaltstrasse  fuhren wir im „Verfolgerfeld“ aus Wellington raus. So lange hatten wir die Pros noch nie im Blickfeld gehabt. Etwa 20 Minuten lang gondelten die auch nur so vor uns her. Danach ging’s aber gleich ziemlich zur Sache. Ein erster heftiger Aufstieg splitterte das ganze Feld auf und entspannte auch die Situation am folgenden genialen Singletrail durch den Wald. Es fuhr sich fantastisch.

Nach Waterpoint 1 ging das grosse Leiden los. Gemäss Höhenprofil erwartete uns eher flaches Gelände. Das will aber nichts heissen, denn auch da braucht es viel Kraft wenn der Untergrund uneben oder sandig ist. Und so war’s auch. Gleichzeitig versuchten wir immer, an zwei Fahrern dran zu bleiben, die eigentlich etwas zu schnell fuhren. Aber allein gegen den Wind wäre noch heftiger geworden. So kamen wir schon ziemlich ausgepowert am Waterpoint 2 an.

Im Fahrerbriefing wurde schon gesagt, dass dann nochmal ein Kraftakt folgen würde… und so war’s auch. 3000 Höhenmeter mussten heute wirklich verdient werden. Wir hielten aber weiterhin gut mit. Keine Ahnung, wo die Kraft jetzt noch herkommt. Die Steigungen fahren wir tendenziell etwas konservativer als unsere Gegner, dafür sind wir oben dann immer innert Sekunden wieder am Gas geben, währendem um uns herum noch das grosse Luftholen angesagt ist.

Auf den letzten Kilometern durchfuhren wir verschiedene wunderschöne Weingüter. Stellenbosch ist nur schon deshalb einen Besuch wert. Nach Wein war uns aber nicht zu mute.. eher zum Weinen. Die kurzen aber harten Steigungen tun nach 6 Tagen ziemlich weh. So kriegt der Ausdruck „Weingut“ eine völlig neue Bedeutung.

Die Zieleinfahrt war dann aber fantastisch. Schon auf der ganzen Strecke hatte es enorm viele Zuschauer, aber in Stellenbosch ist Ausnahmezustand. Das Cape Epic ist in Südafrika, wie Mountainbiken allgemein, ein Riesending. Es ist eine einzige grosse Chilbi hier.

Heute haben wir es auf den 88. Platz geschafft, was uns unter die Top100, nämlich auf den 97. Platz bringt. Iiii-ha! Morgen geht’s noch 54km weit über 1550 Höhenmetern. All unseren Fans möchten wir jetzt schon mitteilen, dass wir das morgen einfach nach Hause fahren wollen, keine Unfälle oder Defekte riskieren und wollen und vor allem eine Triumphfahrt veranstalten werden. Zwar ohne Champagner wie in der Tour de France, dafür aber auch ohne Doping. Wenn wir dann noch aus den Top100 fallen, so be it. Hauptsache „heibringe“!
Die "Auslaufzone" in Stellenbosch... Da hat man's geschafft.

Freitag, 22. März 2013

Stage 5: Am Limit... oder darueber...


Zunaechst mal wieder ein Dankeschoen. Dieses mal geht unser Dank an unseren „Team Consultant“ Beat Staeuble (Cape Epic Finisher und mehrfacher Ironman Finisher). Ohne ihn waeren wir gar nicht hier. Vielen Dank, Beat, naechstes Jahr bist Du wieder dran!

Gestern fuhren wir das Rennen unseres Lebens. Doch was wuerde das fuer Spuren hinterlassen? Sind wir ueber unseren Verhaeltnissen gefahren? Kommt heute der Hammermann?

2011 war die 5. Etappe unser Horrortag mit unzaehligen Pannen und einem folgenschweren Sturz. Dies hatten wir auch heute immer wieder im Hinterkopf. Nur nicht nochmal so ein Erlebnis!

Die Strecke wurde uns als erholsam und grosser Spass angepriesen. Nur 1800 Hoehenmeter auf 74km, wovon 22 ueber Singletrails fuehren. „A fun day“... Aha... Mal luege..

Der Start verlief angenehm. Wie zu erwarten wird es je laenger desto entspannter am Start.  Alle sind zu muede um jede Luecke zuzufahren und um hart zu kaempfen. So fuhren wir zwar sehr zuegig, aber entspannter als an den Vortagen aus Wellington raus durch die Rebberge. Wir hatten ein ordentlichens Tempo drauf. Jedenfalls hingen wir ploetzlich an den Hinterraedern von Bikelegende Thomas Frischknecht und seinem Schatten Urs Gerig. Das war eindeutig zu schnell. Einem Gewinner von 15 WM Medaillen, Olympiasilber und 18 Weltcuprennen folgt man nicht ungestraft, auch wenn er mittlerweile 43 ist. Als nahmen wir ein bisschen Tempo weg, was aber noch immer schnell genug war, um weit vorne umringt von lauter Raketen zu fahren.

Bergauf fuhren wir unser eigenes Tempo, wurden am Anfang der Steigungen oefters mal ueberholt, konnten aber nach oben hin dann wieder zurueckschlagen. Viele andere Fahrer pushen zu schnell in die Aufstiege und fallen dann spaeter fast vom Bike. Vor allem weil's auch schon frueh am Morgen sehr heiss wird.  

Die angekuendigten Singletrails waren wirklich vom Feinsten. Unglaublicher Flow, super abwechslungsreich und mit dem einen oder anderen Nervenkitzel. Es standen unzaehlige Fotokameras am Streckenrand. Wir sind schon sehr gespannt auf die Bilder.

Wir fuhren die Trails relativ vorsichtig. 2011 sollte sich auf keinen Fall wiederholen. So wurden wir gelegentlich zum Hinderniss fuer schnellere oder besser gesagt, risikobereitere Fahrer. Aber wer oben am Trail nicht vor uns ist, muss halt hinter uns fahren. So ist das Gesetz. Natuerlich machten wir Platz, wenn’s angebracht war. Beispielsweise als ploetzlich das Leaderteam der Damenkategorie, Catherine Williamson und Yolande Speedy zusammen mit Tom Ritchey hinter uns auftauchten. Wir liessen sie vorbei, konnten aber an ihnen dranbleiben und ihnen bis ins Ziel folgen. So fuhren wir nach gut 4 Stunden als 81. (!!!) ins Ziel, zusammen mit den fuehrenden Damen, Tom Ritchey und Alex Stieda, dem ersten Nordamerikaner, der das Maillot Jaune an der Tour de France getragen hat. Noed schlaecht gloffe...

Morgen folgt wieder eine haertere Etappe. 100km und fast 3000 Hoehenmeter warten auf dem Weg nach Stellenbosch. Da kann noch alles passieren. Wir wissen, dass wir wohl heute das Maximum aus uns herausgeholt haben. Wir liegen auf Platz 101 des Zwischenklassements. Morgen werden wir es ruhiger angehen lassen muessen. Aber es leiden alle und die Strecke und die Hitze ist fuer alle gleich.

Vorne war heute Schweizertag. Sauser/Kuhlhavy gewannen vor Schurter/Vogel und Platt/Huber. Endlich konnten auch Nino und Flo mal richtig Gas geben.
Weil wir nach der heutigen kurzen Etappe bereits um 11 Uhr im Ziel angekommen sind, haben wir etwas mehr Zeit zum Bloggen. Daher noch einige Insights zum Bikerleben. Auf den bisherigen Etappen waren wir im Schnitt zwischen 5 und 6 Stunden unterwegs. Pro Stunde verbrauchen wir geschaetzte 800-1000 Kalorien. Da muss man ordentlich Nachtanken. In der Praxis sieht das so aus:
Fruehstueck: 5-6 Scheiben Toast mit Honig, Butter, Confi, ein Joghurt, dazu en Kafi (und Porridge fuer Mario)
Unterwegs 1.5 Liter Sponser Energiegetraenk bei beiden plus 3/4 LIter Wasser bei Urs (groesserer Motor = groesserer Verbrauch). Zusaetzlich 2-3 Energy Gels pro Person fuer den ganzen Tag.
An jedem Verpflegungsposten alles auffuellen plus 1 Banane und 2-3 Becher Wasser und/oder Cola.
Im Ziel sofort viel Wasser und etwas Cola. Dann den bereitgestellten Lunchbag leerfressen mit Sandwich, Fruechten und Milchshake drin.
Dann gleich einen Sponser Recovery Shake.
Ca 1 Stunde spaeter 1 Teller Spaghetti
Dazwischen Bananen, Aepfel und viel viel viel Wasser.
Zum Abendessen 2 volle Teller mit Fleisch, Kartoffeln, Reis.
Und trozdem sehen hier mittlerweile alle ein wenig ausgemergelt aus.... Aber die Auflistung erklaert vielleicht, warum der haeufigste Grund fuer Probleme nicht Muskel- sondern Magenprobleme sind. Davon sind wir bisher zum Glueck verschont geblieben. Hoffentlich bleibt es dabei.

Swisscowboys supported by Chaelbli Bikes & Service
 

Donnerstag, 21. März 2013

Stage 4: Inspired by Näf/Flückiger

Heute morgen hiess es wieder Koffer packen, denn es ging vom wunderschönen Saronsberg in Tulbagh nach Wellington. Koffer packen heisst, wir quetschen all unser Hab und Gut (abgesehen von Bike und Rennausrüstung) in unsere offiziellen Taschen und schleppen die zu einem Laster. Am nächsten Etappenort holen wir die Taschen dann einfach wieder bei diesem Laster ab. So einfach geht das.

Das Racecamp in Saronsberg. Links das Motorhome von Team Burry Stander - Songo, rechts die Zelte der Normalsterblichen.
Zum Renngeschehen: Man erzählt sich, dass Lukas Flückiger an den letzten Weltmeisterschaften ziemlich leidend im Mittelfeld rumgekurkt sei, als Ralph Näf zu ihm hinfuhr und sagte: „Hör mal uuf studiere und fahr eifach!“. Darauf ging Flückiger ab wie eine Rakete und holte sich die Silbermedaille.

Was bei Flückiger wirkt, kann auch bei Pfister nicht falsch sein, dachte sich Urs, als Mario gestern kurz vor dem Ziel ziemlich am Leiden war, weil die ruppige Piste und die flachen Tempostrecken überhaupt nicht seinem Geschmack entsprechen. Die Näf-Technik funktionierte hervorragend. Mario legte heute einen Blitzstart hin und Urs war die ersten 20km damit beschäftigt, ihn im Staub des Feldes nicht aus den Augen zu verlieren. Die lange, gut fahrbare Steigung brachten wir jedenfalls sehr weit vorne hinter uns und bei Waterpoint 1 waren wir ziemlich überrascht, Teams um uns zu sehen, die uns in den letzten Tagen stehengelassen hatten.

Danach wurde es ziemlich ruppig, ein steiniger Anstieg musste teils schiebend, teils fahrend und stets über Dr. Evil fluchend hinter uns gebracht werden. Bei Waterpoint 2 wurden wir dafür von Maya schon mit einem „He, wow, ihr sind dänn früeh draa!“ empfangen. Wir waren so gut dran, dass wir sogar noch Zeit für ein Föteli hatten. Auf den nächsten Kilometern wurde Tempo gebolzt. Wir hängten uns an zwei grossgewachsene Fahrer ran und fuhren im Eilzugtempo auf einer Asphaltstrasse in perfekten Ablösungen dahin und dann auch noch zusammen den Pass hoch. Scheinbar war unser Tempo wirklich hoch, denn wir überholten Team um Team.

Nach Waterpoint 3 kam der letzte Aufstieg, der uns nochmal alles abverlangte. Hinter jeder Kurve erhofften wir die Abfahrt, doch noch eine giftige Steigung folgte und noch eine und noch eine. Die folgenden wunderschönen Singletrails konnten wir dann nur noch eingeschränkt geniessen. Mittlerweile war unser Pulver ziemlich verschossen. Frischis Tipp, immer Druck auf die Gabel zu geben, war zunehmend schwierig umzusetzen, weil die Hände einfach nur noch schmerzten, die Füsse krampften und der ganze Rest nur noch nach Hause wollte.

Dort, bzw. im Ziel kamen wir dann auch an. Nach gut 6 Stunden und als 96. des Tagesklassements. Das spült uns in der Gesamtwertung auf Platz 103 vor. Wow… Sowas hätten wir nicht erwartet.

Vorne gab es schon wieder einen Führungswechsel. Und was für einen. Christoph Sauser und Jaroslav Kulhavy vom Team Burry Stander – Songo nahmen den Zweitplatzierten Fontana/Fumic über 18 Minuten ab! Was für eine Machtdemonstration. Allerdings haben sich Platt/Huber scheinbar verfahren und sie gelangten versehentlich auf die bereits ausgeschilderte Strecke von morgen. Das wird wohl noch Diskussionen geben.

Wenn sich jetzt jemand fragt, wieso wir so Gas geben und nicht ein wenig die Landschaft geniessen, dann ist die Antwort ganz einfach: Früh im Ziel sein hat viele Vorteile. Man kann endlos duschen weil draussen nicht schon duzende andere Fahrer warten. Man hat mehr Zeit zum Regenerieren, sprich Spaghetti essen, Nackenmassage geniessen und in der Lounge rumhängen.. Und die Lounge allein ist schon etwas Leiden wert.
Die ABSA rider lounge. All inclusive...

Mittwoch, 20. März 2013

Stage 3: Retro Style


Unser Blog wird heute mal wieder auf einem suedafrikanischen Laptop geschrieben, daher ohne Umlaute und evtl. mit gelegentlichen Y statt Z.

Zunaechst muessen wir ein Versprechen einloesen und hier ein ganz grosses Lob ans Medicare-Team aussprechen. Die Leute vom Sanitaetsdienst haben innert 20 Stunden nagelneue Kontaktlinsen fuer Mario aufgetrieben und das auch noch umsonst. Ganz herzlichen Dank.

Die heutige Etappe wurde uns als Erholungstag verkauft. Als „Reward“ fuer den Effort der letzten beiden Tage. Wer den Streckenplaner, Dr. Evil kennt, der weiss dass es beim Cape Epic keine Geschenke und schon gar keine Erholungstage gibt. Ein Statement von ihm auf Twitter: „This is the Cape Epic, not the Cape Easy“. Also machten wir uns wie ueblich aufs Schlimmste gefasst. Eins muss man Dr. Evil aber lassen. Er weiss, wie man Biker fertig macht, er weiss aber auch, wie man sie gluecklich macht. Naemlich mit fantastischen Singletrails mit perfektem Flow durch eine wunderschoene Landschaft. Und das gab’s heute fuer alle, die noch mitspielen. Zunaechst lief es uns nicht optimal. Marios Gabel funktionierte nicht richtig. Er fuhr heute die ersten 32 Kilometer im Retro Stil, naemlich mit starrer Federgabel. Auf den steinigen Trails forderte das ein wenig Tribut, aber das Feld war noch relativ geschlossen und so verloren wir einfach am ersten Reparaturposten einige Zeit, bis das Ding richtig gepumpt war.

Danach ging’s auf Aufholjagd. Zunaechst haengten wir uns mal an das vor uns klassierte Team (jaja, natuerlich zwei Damen). Die eine ist aber vierfache Finisherin und wir dachten, aus Hoeflichkeit bleiben wir mal ne Weile dran. Die Hoeflichkeit hatte irgendwann ein Ende, als wir allein das Weite suchten und uns Team fuer Team nach vorne arbeiteten. Absolutes Karrierehighlight war, als wir in einem kurzen Aufstieg den Uebervater des Mountainbikings, Tom Ritchey ueberholten. Er ist zwar schon etwas in die Jahre gekommen, aber sowas tut uns Hobbyveloelern trotzdem gut.

Die ersten rund 70 Kilometer waren eher kraftintensiv mit Trails, Switchbacks, kurzen ruppigen Steigungen und sandigen Geraden. Das kam eher Urs zugute. Die restlichen knapp 30 Kilometer mit langen Aufstiegen an der mittlerweile erbarmungslos brennenden Sonne kamen dann eher Mario entgegen.

Nach 5.22 Stunden kamen wir ins Ziel, Platz 133 heute und 119 im Zwischenklassement.

Vorne bei den Pros musste Esther Suess leider aufgeben. Sie hat einen Virus aufgelesen. Bei den Jungs haben Sauser/Kuhlavy den Sieg verschenkt, weil sie eine falsche Abzweigung genommen haben. Es war heute teils schwierig, die Markierungen in den schnellen Abfahrten rechtzeitig zu sehen. Wir da hinten haben jeweils noch den Vorteil, dass wir den Reifenspuren folgen koennen. Wenn man die erste Linie zieht, geht das natuerlich nicht. So haben auch heute Platt/Huber gewonnen und ihren Vorsprung im Gesamtklassement ausgebaut.

Die Massage wird immer wichtiger. Vor allem unsere Ruecken und Unterarme sind ziemlich hart. Zum Glueck gibt es aber einen tollen Service hier. Taeglich 45 Minuten, die es wirklich Wert sind, ins Ziel zu kommen. Es ist schon erstaunlich. Man bezahlt Geld dafuer, von Dr. Evil geschunden zu werden und sehnt sich eigentlich dauernd das Ende des Rennens entgegen... Gspunne...

Dienstag, 19. März 2013

Stage 2: Fremdbestimmt

Heute gibt’s eigentlich nicht soviel zu berichten, erstens weil alles nach Plan lief und zweitens weil in 30 Minuten schon unser täglicher Massageservice anfängt. Das ist heute auch bitter nötig, denn wir waren fast 7 ½ Stunden unterwegs.

Schon am Fahrerbriefing hiess es, dass heute die ganze Strecke wunderbar fahrbar und grösstenteils über sehr breite und gute Strassen führt. Nach dem gestrigen Dauerschieben tönt das zwar gut, hat aber den Nachteil, dass sich das Fahrerfeld schlecht aufteilt. Die ersten 18 Kilometer führten auf Asphalt oder breiten Naturstrassen den Berg hoch und das Tempo war recht hoch. In solchen Situationen hat man immer die Wahl, am vorderen Fahrer drannzubleiben, allein zu fahren, oder auf die nächste Gruppe zu warten. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Zunächst hängten wir uns mal in den Windschatten von Catherine Williamson, mit der wir 2011 schon einen grossen Teil des Rennens Seite an Seite fuhren und ihrer Partnerin Yolande Speedy. Scheinbar hat Catherine mittlerweile aber tüchtig trainiert und Speedy tönt auch nicht gerade nach einer Langsamfahrerin. Jedenfalls mussten wir sie bald schon ziehen lassen. Sie und ihre Partnerin holten sich dann den Tagessieg in der Frauen-Kategorie und nahmen Esther Süss und Jane Nüssli das Leadertrikot ab. Esther scheint gesundheitlich angeschlagen zu sein. Und das ausgerechnet an ihrem Geburtstag.

Wir tauschten also den Windschatten der Siegerinnen gegen denjenigen der Zweitplatzierten und blieben ziemlich lang in einer grossen Gruppe, ohne uns besonders durch Führungsarbeit zu profilieren. Auf der ebenen, aber endlosen Strecke sind grosse Kraftpakete dafür viel geeigneter als wir zwei Spränzel. Nach einer gefühlten Ewigkeit auf einem Hochplateau folgte ein knackiger Schlussaufstieg, den wir schiebend hinter uns brachten. Nach und nach folgten alle Fahrer um uns herum unserem Beispiel und so mussten wir auch die knifflige, enge, steinige und steile Abfahrt Richtung Ziel in einer grossen Gruppe in Angriff nehmen. Vor uns mittlerweile die drittplatzierten Damen, mit denen wir am Schluss fix und fertig, aber ohne körperliche oder technische Schäden ins Ziel kamen.

Heute haben wir einen Platz im Gesamtklassement eingebüsst und grüssen von Rang 121. Im Tagesklassement waren wir 128.

Bei den grossen Jungs gewannen Karl Platt und Urs Huber die Etappe. Karl ist eine absolute Cape Epic Legende und hat das rennen schon neunmal beendet und davon viermal gewonnen. Damit haben die beiden auch das Leadertrikot übernommen. Bis jetzt gab’s täglich einen Leaderwechsel. So spannend war’s noch nie.

Montag, 18. März 2013

Stage 1: Nervoese Sandkastenspiele

Seit dem letzten Blogeintrag haben wir ein Wechselbad der Gefuehle erlebt. Als wir gerade den Upload starteten, rief der Speaker im Festzelt zum Gedenken an den besten suedafrikanischen Mountainbiker der Geschichte, Barry Stander auf. Barry gewann die letzten beiden Austragungen des Cape Epic an der Seite von Christoph Sauser, wurde an den olympischen Spielen in London fuenfter und war letztes Jahr zweiter im Gesamtweltcup. Es war sehr bewegend, als die Highlights seiner Rennen auf Grossleinwand gezeigt wurden und 1200 Fahrer und Betreuer eine Standing Ovation fuer diesen grossartigen Sportler gaben.
Wir verliessen das Festzelt ohne zu ahnen, was uns an Psychoterror bevorstehen wuerde. Zunaechst waren unsere Bikes noch immer nicht in Citrusdal eingetroffen. Das war sehr muehsam, weil sie dringend zum vorgebuchten Mechaniker mussten. Auch wenn sie im Prolog keine eineinhalb Stunden im Einsatz waren, so war doch ein Check der Schaltungen notwendig. Wir rannten also etliche Male zwischen Bikepark und Mechaniker hin und her, ohne unsere Bikes zu finden.
Damit nicht genug der Aufregung, verschwand ploetzlich Mairos Necessaire auf unerklaerliche Art und Weise. Er hatte es nur kurz vor der Toilette deponiert und schon war es weg. Das Problem dabei: seine Kontaktlinsen waren drin und die Ersatzlinsen natuerlich auch. Ein klassisches Klumpenrisiko. Mario drohte, den Kontakt zur Aussenwelt zu verlieren. Von unseren Nachbarn vom Team Saentis erhielt er spontan Ersatz. Zwar nur 2 Statt 3.2 Dioptrin, aber fuers Biken reicht das. Herzlichen Dank, Joerg und Dominik. Ohne Euch haetten wir ziemlich dumm und sehr unscharf aus der Waesche geguckt.
Am Morgen dann der naechste Schocker: Marios Bike war noch immer nicht da. Da es noch andere „Suchenden“ gab und wir auch einige falsch geparkte Bikes im Bikepark sahen, durchstoeberten wir mal systematisch den ganzen Park. Schliesslich fanden wir sein Bike mit der Nummer 249 eingereiht bei  400-450. Naja, eine Ziffer stimmte ja schon fast.
Wegen der Verspaetung hatten unsere Mechaniker die Bikes erst um halb 1 in der Nacht gecheckt. Das sollte sich noch raechen.
Sehr erleichtert und mit dem vollen Durchblick standen wir in unserem angestammten Startblock B in Mitten ziemlich fit aussehender Gegner und 2 Meter neben dem „Urvater des Mountainbikes“: Tom Ritchey. Wie ueblich am ersten Tag ging es sehr hektisch los. Jeder Fahrer hat noch ein Uebermass an Motivation und Power. Das wird von Tag zu Tag besser, ist aber sehr muehsam und manchmal auch gefaehrlich. Wir versuchten, uns aus dem groebsten Stress rauszuhalten. Bei 298 anderen Fahrerinnen und Fahrern rundherum ist das aber nicht ganz einfach.
Die Strecke von heute war mal wieder eine pure Grausamkeit des Streckendesigners (bekannt als Dr. Evil). Der groesste Teil der 98km und 2350hm fuehrten durch tiefen Sand. So tief wie ein Sandkasten. Komischerweise hatten wir die ganze Zeit irgendwie den Soundtrack von „The Beach“ im Kopf. Biken im Sand ist gelinde gesagt „unangenehm“. Man kommt nicht vorwaerts, die Raeder haben keine Traktion, schwimmen ploetzlich oben auf. Man ist staendig am rumrutschen. Dazu kamen recht steinige Abfahrten, die zu vielen Defekten bei unseren Konkurrenten fuehrten. Unsere Bikes blieben zum Glueck heil. Abgesehen von einem massiven Problem mit der Schaltung bei Urs. Etwa 20km weit konnte er nur 7 der 10 Gaenge hinten brauchen. Natuerlich die kleinsten und den groessten nicht. Der Mechaniker am 2. Verpflegungsstand fand dann eine ganz lose Schraube am Schaltauge. Haetten unsere Mechs letzte Nacht mehr Zeit gehabt, haetten sie das problemlos gefunden. Das Bike fuhr sich danach wieder perfekt, wie von 2011 gewohnt.
Ein Karrierehighlight durften wir nach rund 1/3 der Strecke verbuchen, als wir von der Bikelegende Thomas Frischknecht und seinem Schatten Urs Gerig ueberholt wurden. Die beiden hatten im Prolog einen Defekt erlitten und lagen damit eine Nacht lang hinter uns in der Rangliste. Die beiden gaben uns noch einen nuetzlichen Tipp, wie man in Sand faehrt und weg waren sie.
Nach genau 6 ½ Stunden kamen wir total verstaubt ins Ziel. Allgemein ist das grosse Fluchen ueber die Strecke angesagt. Mehrfache Finisher berichten, dass auch sie gelitten haetten wie noch nie. Das erleichtert uns. Ist doch die heutige Etappe sehr an die Substanz und an die Nerven gegangen... Aber wir liegen momentan auf Platz 120, haben also 30 Plaetze gutgemacht. Das ist mehr als wir erwartet haetten und stimmt uns positiv fuer den weiteren Rennverlauf.
Vorne haben Jose Hermida und Rudi van Houts den Tagessieg geholt. Wir freuen uns schon auf die Siegerehrung denn „Hoseee Ermiiida“ ist der ultimative Spassvogel im Feld. Damit haben die beiden auch die Fuehrung im Gesamtklassement uebernommen, gut 1 ½ Minuten vor Sauser/Kuhlavy. Das Rennen ist so richtig lanciert. Bei den Damen haben Esther Suess und Jane Nuessli bereits 34 Minuten Vorsprung. Die beiden fahren in einer eigenen Liga.
Sorry noch wegen der fehlenden Umlaute. Die Laptops in der Rider Lounge haben halt eine suedafrikanische Tastatur.

Sonntag, 17. März 2013

Prologue: Wie d'Sau in Stau

Heute ging’s endlich los; nach Monaten des Trainings und der Vorbereitungen. Unser Fahrer holte uns pünktlich um 8 Uhr ab und fuhr uns rund 30 Minuten hinaus aufs Weingut von Meerendal. Bei der Anfahrt sahen wir schon etliche FahrerInnen an den staubigen Hügeln pedalen. Die Szenerie dann auf dem Rennplatz ist immer wieder eindrücklich. Ein Gemisch aus Picknick, Rennen und Volksfest. Wir hatten etwa 1 1/2 Stunden Zeit und genossen die Rennatmosphäre, wobei die Spannung minütlich anstieg.

Um 10:25 Uhr gingen wir dann pünktlich auf die Strecke. Vor uns machten wir einige optisch langsamere Teams  aus, die es zuerst mal zu überholen galt. Die ersten Meter führten im Zickzack durchs Weingut mit dem Höhepunkt, das schmucke Hauptgebäude zu durchfahren und dann die Treppe runterzurattern. Alles lief nach Plan und die ersten Teams waren auch bald eingeholt. Das ging sehr flott und wir waren perfekt unterwegs. Bergauf immer knapp unter der Schmerzgrenze, bergab schön süüferli. Die Trails waren unglaublich, mit perfektem Flow und leicht sandig. Biken in Perfektion.

In der zweiten Streckenhälfte wurden wir durch etliche langsame Teams aufgehalten. Wir nahmen Tempo raus und riskierten keine gefährlichen Überholmanöver. Unser Sturz im Prolog 2011 hatten wir stets im Hinterkopf. So büssten wir wahrscheinlich einige Minuten ein, denn ein nicht sehr professioneller Fahrer mit ziemlich breitem Rücken hielt uns gefühlte 20 Minuten auf. Das führte auch dazu, dass von hinten Esther Süss und Jane Nüssli randonnerten. So konnten wir uns aber wenigstens als Gentlemen auszeichnen, brav zur Seite stehen und die Beiden in bestem Schweizerdeutsch anfeuern. So haben wir wenigstens einen kleinen Anteil an ihrem überragenden Tagessieg in der Damen-Kategorie… Bei den Jungs führen nach dem Prolog Susi Sauser und Jaroslav Kuhlavy. Nino Schurter und Florian Vogel hatten leider einen ziemlichen Fehlstart. Flo flog scheinbar in einer Abfahrt so unglücklich, dass sein Sattel zu Bruch ging… Und dabei haben wir den beiden vor dem Start noch soviel Glück gewünscht. Wo sonst sitzt man beim Entspannen gleich neben dem Weltmeister?

Wir liegen auf dem 150. Zwischenrang. Das ist eine Punktlandung, denn es verschafft uns einen Startplatz im Block B, der morgen zeitgleich mit den grossen Jungs ins Rennen geschickt wird. Wir werden uns also wie 2011 gemütlich ganz hinten anstellen, die ersten Kilometer aus dem Gröbsten raushalten und dann langsam zulegen.

Mittlerweile haben wir eine Massage und ein sehr leckeres Abendessen hinter uns und schon bald ist Zeit für ins Bett. Dank der perfekten Infrastruktur hier, schalten wir aber vorher noch unseren Blog online.

Gruess us Citrusdal!

Samstag, 16. März 2013

Wir sind eingecheckt...


Das Cape Epic ist nicht nur eine sportliche, sondern auch eine logistische Herausforderung. Es fängt schon damit an, dass ein Bike per Flugzeug zu transportieren ist  wie „a box of chocolate“… Man weiss nie, welchen Tarif man kriegt. Anyway: Das ging soweit ja gut. Jetzt muss aber das ganze Material für 8 Tage in eine Tasche gepackt werden. Hier erklärt sich wohl auch, weshalb die Frauenquote am Cape Epic bei lediglich 12% liegt (wobei hier gesagt werden muss, dass Frauen eine 7% höhere Chance haben, das Ziel zu erreichen).

Wir haben heute also auch unser Equipment abgeholt. Dieses besteht in erster Linie aus einer grossen Tasche, welche unser neues „Zuhause“ ist. Dazu gibt’s allerlei Werbeartikel wie Flipflops, T-Shirts, Buffs etc. etc. und dann natürlich das Wichtigste: Die Startnummern fürs Bike und Shirt.

Wie grandios das Cape Epic organisiert ist, zeigt sich einmal mehr, als wir beim Anstehen eine nette SMS erhalten, wo sich die Organisatoren für die lange Wartezeit entschuldigen. Das Warten hat uns eigentlich gar nix ausgemacht, denn es war sehr unterhaltsam, mit den Fahrern vor und hinter uns in der Schlange zu plaudern und die Konkurrenz „auszuchecken“. Breite Wädli, dicke Bäuche, teure Bikes, alles interpretiert man automatisch in Sekunden, Minuten und Stunden auf der Rangliste. Wo wir landen, überlassen wir der Interpretation der anderen.

 
Unsere Bikes und wir sind jetzt also gerüstet für den Start morgen um 10:25 Uhr (9:25 Schweizer Zeit). Der erste Blick auf die Startliste stimmte uns sehr positiv, schliesslich starten andere bereits um 6.45 Uhr, wenn wir wohl noch schlafen werden. Der Nachteil unseres Langschläferstarts  ist aber, dass nur gerade 6 Minuten nach uns die ersten Profi-Damen ins Rennen gehen werden. Das wird eng. Die Profi-Jungs starten dann etwa eine Stunde nach uns.
Das Rennen kann live auf www.capeepic.com mitverfolgt werden. Wir wünschen Euch schon jetzt gute Unterhaltung und herzlichen Dank für‘s Daumendrücken!

Donnerstag, 14. März 2013

Die Ruhe vor dem Sturm


Erst mal einige erste Erkenntnisse aus Kapstadt:

Verkehrsregeln: Man fährt links! Links um Kreisel, mit dem Bike auf dem linken Streifen der Autobahn, links vom Atlantik. Aber: man geht zu Fuss nicht einfach links, sondern einfach dort, wo kein anderer geht. Das ist verwirrend.

Distanzen: Südafrika ist das Land der Stacheldrahtzäune. Wenn man also vom Balkon schaut und in greifbarer Entfernung das Riesenrad an der Waterfront sieht, muss man diese Distanz mindestens verdreifachen, weil alle direkten Wege mit grossen Zäunen und Toren versperrt sind. Also watscheln wir täglich um die halbe Stadt, um was Essbares zu finden. Dafür wohnen wir günstig.

Ernährung: Don’t ask, just eat! Auf der Speisekarte stehen: Ostrich, Springbok, Kudu und Warthog. Wer in Bio-Englisch einen Fensterplatz hatte ist verloren. Also hilft nur die Lasagne-Taktik: Mund auf, reinschieben, kauen, runterschlucken. Zum Glück schmeckt alles fantastisch.

Und nun zum Biken: Schliesslich sind wir ja zum Vergnügen hier. Am Mittwoch und Donnerstag haben wir kurze Biketüürlis unternommen, zusammen mit dem Team „Stiftung Wädlitest“ von 20-Minuten und den Brüdern vom Team Säntis. Zumeist sind wir auf Asphaltstrassen rumgegurkt, was den Vorteil hatte, dass uns die versammelte High-Society des Bikesports über den Weg  gerollt ist. Ein „Ciao“ von Fontana/Fumic, ein Winken von Stefan Sahm und seinen Bulls, ein kurzes Plaudern mit Bärti Bucher und Heinz Zoerweg… Alles Jungs, die vielleicht nächste Woche vom Podest winken. Für Bike-Banausen: Wenn wir von Fussball reden würden, hätten wir heute so etwa Pirlo, Özil und den ganzen FC Bayern getroffen. Nur Messi und Ronaldo haben noch gefehlt, die Teams von Scott und Specialized hängen in Stellenbosch rum.

Gestern haben wir übrigens noch einen Test absolviert. Nochmal für Bike-Banausen: Heutige Profi-Bikes haben 11 Gänge. Das von Urs hat noch 20, das von Mario sogar 27. Also haben wir getestet und zwar bei The Testkitchen. 11 Gänge mit Weinbegleitung. Dauer: knapp 4 Stunden. Ergebnis: Akute Sinnesverwirrung und ein veritabler Hangover. Wir bleiben also bei unseren Schaltungen. Das Restaurant können wir aber sehr empfehlen.

Nun ist aber Schluss mit Lustig, denn am Sonntag geht’s zur Sache und bis dahin heisst es seriös Leben und immer schön links fahren.

Swisscowboys supported by Chälbli Bikes & Service

Mittwoch, 6. Februar 2013

Vollgas in Gran Canaria

757km, 16750 Höhenmeter und 34 Stunden im Sattel, das sind die Eckwerte des sechstägigen Intensivtrainings auf Gran Canaria.
 
 
 
Einquartiert waren wir im Dunas Suites & Villas am Rande von Maspalomas zusammen mit etwa 500 Rentnern, die offensichtlich allesamt eine Ausbildung im Buffet-Nahkampf absolviert hatten. Hinzu kamen etwa 50 Kinder, die ihre Stimmbänder schon fleissig für die unzähligen Castingshows auf deutschen Privatsendern einschrien. So bezogen wir jeden Abend einen Tisch möglichst fernab jeglichen Trubels draussen im lauen Abendwind und pilgerten 5-6mal Richtung Buffet um unseren Kalorienhaushalt wenigstens halbwegs im Lot halten zu können. Tagsüber gab’s üblicherweise Colapausen in jedem grösseren Dorf, vermischt mit Sponser-Gels und den einen oder anderen Schoggiriegel. Dazu kamen natürlich tägliche Einkehrschwünge in Soria oder Ayacata wo wir unsere Rennvelos zu den unzähligen anderen Boliden der zahlreichen Trainingsgümmeler stellten.
 
 
Zu unseren „Velos“ gibt es anzumerken, dass wir bewusst jedes zusätzliche Gewicht in Kauf nahmen und mit dem günstigsten Equipment unterwegs waren, das es bei „Free Motion“ zu mieten gibt. Unsere Cannondale-Renner mit 105-er Bestückung waren rund 8.3kg schwer, was schon sehr nah an unsere Mountainbikes rankommt. Schliesslich waren wir ja zum Trainieren da und je mehr Gewicht auf der Felge, desto weniger bleibt auf der Hüfte… oder so. Jedenfalls hielten die perfekt gewarteten Holzklasse-Flitzer jeder Sprint-Attacke, jeder Holperpiste (und davon gab es unzählige) und jedem Schlagloch stand und blieben 100%-pannenfrei. Ein Wert, von dem wir auch am Cape Epic träumen…
 
 
 
Unsere Touren lassen sich durchaus sehen. Üblicherweise fuhren wir auf irgend eine Art und Weise die Hügel hoch Richtung Ayacata. Entweder direkt via Fataga oder dann auf die harte Tour via Mogan und das Tal der Tränen. Dieses machte übrigens seinem Namen beinahe alle Ehre, als wir kräftig durchgeschüttelt und mit ersten mentalen Krampferscheinungen von einer durchtrainierten Italienerin auf ner Höllenmaschine von Rennvelo überholt wurden…
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Das Praliné unserer Trainingswoche war eine 192km lange Monstertour quer über die Insel nach Agaete. Unterwegs fuhren wir auf Strassen, die wohl noch nie von einem Rennveloreifen berührt worden waren und kehrten in einem Reschti ein, wo wohl noch nie ein Fremder was zu essen gekriegt hat… Wir auch nur zu einem unanständig überrissenen Preis, aber nah am Hungertod führt man keine Diskussionen. Von Agaete ging es der wunderschönen nördlichen Küste entlang bis nach San Nicolas. Wer bei Küstenstrasse an ein gemütliches Dahinrugelen denkt, der irrt. Die ständigen Serpentinen und Abfahrten zerrten ordentlich an unseren Nerven, zumal die Zeit dahinzurennen schien und wir einfach kaum vom Fleck kamen. Ab San Nicolas ging’s dann aber wieder ganz flott über den Saftpass nach Puerto de Mogan, wo wir uns nochmal mit einem Twix den letzten Energieschub gaben für die verbleibenden 30km auf der Küstenstrasse zurück nach Maspalomas. Zum Glück waren wir schon so spät dran, dass der Nachmittagswind verstummt war und so erreichten wir mit den letzten Sonnenstrahlen unser Hotel.
 
 
 
 
 
Die kurze aber intensive Trainingswoche hat uns nicht nur körperlich, sondern auch mental viel gebracht. Wir blicken jetzt zuversichtlich aufs Streckenprofil des Cape Epic. Mario hängt jetzt nochmal eine Woche auf der Insel an, Währenddem sich Urs erst mal mit einer Ruhewoche von den Strapazen auf den Strassen und am Buffet von Gran Canaria erholt.
 

Swiss Cowboys 2.0

Mario Pfister und Urs Walder nehmen vom 17. bis 24. März am grössten Mountainbike-rennen der Welt, dem Absa Cape Epic in Südafrika teil. Sie werden dabei versuchen, ihre Leistung von 2011 zu toppen, wo sie nach 6 Tagen unter den Top 100 lagen und dann von einer epochalen Defektserie sowie einer Schulterverletzung gebremst wurden und das Rennen schliesslich als 145 beendeten. Dieses Jahr geht es vor allem darum, die 8 Tage verletzungsfrei und materialschonend hinter sich zu bringen und die „Tour de France des Mountainbiking“ in vollen Zügen zu geniessen.
 


Unsere Erlebnisse im Rennen von 2011 könnt Ihr in diesem Blog nachlesen.

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