757km, 16750 Höhenmeter und 34 Stunden im Sattel, das sind die Eckwerte des sechstägigen Intensivtrainings auf Gran Canaria.
Einquartiert waren wir im Dunas Suites & Villas am Rande von Maspalomas zusammen mit etwa 500 Rentnern, die offensichtlich allesamt eine Ausbildung im Buffet-Nahkampf absolviert hatten. Hinzu kamen etwa 50 Kinder, die ihre Stimmbänder schon fleissig für die unzähligen Castingshows auf deutschen Privatsendern einschrien. So bezogen wir jeden Abend einen Tisch möglichst fernab jeglichen Trubels draussen im lauen Abendwind und pilgerten 5-6mal Richtung Buffet um unseren Kalorienhaushalt wenigstens halbwegs im Lot halten zu können. Tagsüber gab’s üblicherweise Colapausen in jedem grösseren Dorf, vermischt mit Sponser-Gels und den einen oder anderen Schoggiriegel. Dazu kamen natürlich tägliche Einkehrschwünge in Soria oder Ayacata wo wir unsere Rennvelos zu den unzähligen anderen Boliden der zahlreichen Trainingsgümmeler stellten.
Unsere Touren lassen sich durchaus sehen. Üblicherweise fuhren wir auf irgend eine Art und Weise die Hügel hoch Richtung Ayacata. Entweder direkt via Fataga oder dann auf die harte Tour via Mogan und das Tal der Tränen. Dieses machte übrigens seinem Namen beinahe alle Ehre, als wir kräftig durchgeschüttelt und mit ersten mentalen Krampferscheinungen von einer durchtrainierten Italienerin auf ner Höllenmaschine von Rennvelo überholt wurden…
Das Praliné unserer Trainingswoche war eine 192km lange Monstertour quer über die Insel nach Agaete. Unterwegs fuhren wir auf Strassen, die wohl noch nie von einem Rennveloreifen berührt worden waren und kehrten in einem Reschti ein, wo wohl noch nie ein Fremder was zu essen gekriegt hat… Wir auch nur zu einem unanständig überrissenen Preis, aber nah am Hungertod führt man keine Diskussionen. Von Agaete ging es der wunderschönen nördlichen Küste entlang bis nach San Nicolas. Wer bei Küstenstrasse an ein gemütliches Dahinrugelen denkt, der irrt. Die ständigen Serpentinen und Abfahrten zerrten ordentlich an unseren Nerven, zumal die Zeit dahinzurennen schien und wir einfach kaum vom Fleck kamen. Ab San Nicolas ging’s dann aber wieder ganz flott über den Saftpass nach Puerto de Mogan, wo wir uns nochmal mit einem Twix den letzten Energieschub gaben für die verbleibenden 30km auf der Küstenstrasse zurück nach Maspalomas. Zum Glück waren wir schon so spät dran, dass der Nachmittagswind verstummt war und so erreichten wir mit den letzten Sonnenstrahlen unser Hotel.
Die kurze aber intensive Trainingswoche hat uns nicht nur körperlich, sondern auch mental viel gebracht. Wir blicken jetzt zuversichtlich aufs Streckenprofil des Cape Epic. Mario hängt jetzt nochmal eine Woche auf der Insel an, Währenddem sich Urs erst mal mit einer Ruhewoche von den Strapazen auf den Strassen und am Buffet von Gran Canaria erholt.
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