Schon am Fahrerbriefing hiess es, dass heute die ganze
Strecke wunderbar fahrbar und grösstenteils über sehr breite und gute Strassen
führt. Nach dem gestrigen Dauerschieben tönt das zwar gut, hat aber den
Nachteil, dass sich das Fahrerfeld schlecht aufteilt. Die ersten 18 Kilometer
führten auf Asphalt oder breiten Naturstrassen den Berg hoch und das Tempo war
recht hoch. In solchen Situationen hat man immer die Wahl, am vorderen Fahrer
drannzubleiben, allein zu fahren, oder auf die nächste Gruppe zu warten. Alles
hat seine Vor- und Nachteile. Zunächst hängten wir uns mal in den Windschatten
von Catherine Williamson, mit der wir 2011 schon einen grossen Teil des Rennens
Seite an Seite fuhren und ihrer Partnerin Yolande Speedy. Scheinbar hat Catherine
mittlerweile aber tüchtig trainiert und Speedy tönt auch nicht gerade nach
einer Langsamfahrerin. Jedenfalls mussten wir sie bald schon ziehen lassen. Sie
und ihre Partnerin holten sich dann den Tagessieg in der Frauen-Kategorie und
nahmen Esther Süss und Jane Nüssli das Leadertrikot ab. Esther scheint
gesundheitlich angeschlagen zu sein. Und das ausgerechnet an ihrem Geburtstag.
Wir tauschten also den Windschatten der Siegerinnen gegen
denjenigen der Zweitplatzierten und blieben ziemlich lang in einer grossen
Gruppe, ohne uns besonders durch Führungsarbeit zu profilieren. Auf der ebenen,
aber endlosen Strecke sind grosse Kraftpakete dafür viel geeigneter als wir
zwei Spränzel. Nach einer gefühlten Ewigkeit auf einem Hochplateau folgte ein
knackiger Schlussaufstieg, den wir schiebend hinter uns brachten. Nach und nach
folgten alle Fahrer um uns herum unserem Beispiel und so mussten wir auch die
knifflige, enge, steinige und steile Abfahrt Richtung Ziel in einer grossen
Gruppe in Angriff nehmen. Vor uns mittlerweile die drittplatzierten Damen, mit
denen wir am Schluss fix und fertig, aber ohne körperliche oder technische
Schäden ins Ziel kamen.
Heute haben wir einen Platz im Gesamtklassement eingebüsst
und grüssen von Rang 121. Im Tagesklassement waren wir 128.
Bei den grossen Jungs gewannen Karl Platt und Urs Huber die
Etappe. Karl ist eine absolute Cape Epic Legende und hat das rennen schon
neunmal beendet und davon viermal gewonnen. Damit haben die beiden auch das
Leadertrikot übernommen. Bis jetzt gab’s täglich einen Leaderwechsel. So
spannend war’s noch nie.
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