Samstag, 23. März 2013

Stage 6: Das Rennen unseres Lebens (zum 3.)


Der heutige Tag fing denkbar schlecht an. Aufwachen, Oropax ausstöpseln und...: "Das cha nöd sii! "Wasser prasselte auf unsere Zelte... Es regnete... In Südafrika.. In den Ferien... Davon stand nichts im Prospekt! Also standen wir missmutig auf und schlurften zum Esszelt rüber. Dort war die Stimmung natürlich ebenfalls so betrübt wie der Himmel. Nach dem Essen gab’s zwei Möglichkeiten. Sich nochmal ins Zelt zu verkriechen oder sich ein ruhiges, abgelegenes Toitoi suchen und dort Facebook und Skype checken. Beides führte zum gleichen Resultat: Nach 20 Minuten hatte der Regen aufgehört. Trotzdem führten wir unsere Regenjacken sicherheitshalber den ganzen Tag über mit. Letztes Jahr mussten etliche Fahrer mit Unterkühlungen behandelt werden, weil sie nicht richtig ausgerüstet in einen Wetterumschwung gerieten. Wenn einem das passiert und man die rettende Jacke auch noch in seiner Tasche gehabt hätte, tut’s doppelt weh. Also sparten wir nicht am Gewicht.

Am Start standen wir zum 13. Mal in unserer Karriere in Startblock B. Diesmal fanden wir den auch auf Anhieb, nicht wie gestern, als wir den Hintereingang nehmen mussten. Startblock B liegt immer quer zu allen anderen Startblöcken und man „defiliert“ sozusagen vor den vordersten Fahrern der anderen Startblöcke vorbei. Nicht, dass wir das nötig hätten, aber gut tut’s schon…

Die Startphase verläuft von Tag zu Tag entspannter. Auf einer breiten Asphaltstrasse  fuhren wir im „Verfolgerfeld“ aus Wellington raus. So lange hatten wir die Pros noch nie im Blickfeld gehabt. Etwa 20 Minuten lang gondelten die auch nur so vor uns her. Danach ging’s aber gleich ziemlich zur Sache. Ein erster heftiger Aufstieg splitterte das ganze Feld auf und entspannte auch die Situation am folgenden genialen Singletrail durch den Wald. Es fuhr sich fantastisch.

Nach Waterpoint 1 ging das grosse Leiden los. Gemäss Höhenprofil erwartete uns eher flaches Gelände. Das will aber nichts heissen, denn auch da braucht es viel Kraft wenn der Untergrund uneben oder sandig ist. Und so war’s auch. Gleichzeitig versuchten wir immer, an zwei Fahrern dran zu bleiben, die eigentlich etwas zu schnell fuhren. Aber allein gegen den Wind wäre noch heftiger geworden. So kamen wir schon ziemlich ausgepowert am Waterpoint 2 an.

Im Fahrerbriefing wurde schon gesagt, dass dann nochmal ein Kraftakt folgen würde… und so war’s auch. 3000 Höhenmeter mussten heute wirklich verdient werden. Wir hielten aber weiterhin gut mit. Keine Ahnung, wo die Kraft jetzt noch herkommt. Die Steigungen fahren wir tendenziell etwas konservativer als unsere Gegner, dafür sind wir oben dann immer innert Sekunden wieder am Gas geben, währendem um uns herum noch das grosse Luftholen angesagt ist.

Auf den letzten Kilometern durchfuhren wir verschiedene wunderschöne Weingüter. Stellenbosch ist nur schon deshalb einen Besuch wert. Nach Wein war uns aber nicht zu mute.. eher zum Weinen. Die kurzen aber harten Steigungen tun nach 6 Tagen ziemlich weh. So kriegt der Ausdruck „Weingut“ eine völlig neue Bedeutung.

Die Zieleinfahrt war dann aber fantastisch. Schon auf der ganzen Strecke hatte es enorm viele Zuschauer, aber in Stellenbosch ist Ausnahmezustand. Das Cape Epic ist in Südafrika, wie Mountainbiken allgemein, ein Riesending. Es ist eine einzige grosse Chilbi hier.

Heute haben wir es auf den 88. Platz geschafft, was uns unter die Top100, nämlich auf den 97. Platz bringt. Iiii-ha! Morgen geht’s noch 54km weit über 1550 Höhenmetern. All unseren Fans möchten wir jetzt schon mitteilen, dass wir das morgen einfach nach Hause fahren wollen, keine Unfälle oder Defekte riskieren und wollen und vor allem eine Triumphfahrt veranstalten werden. Zwar ohne Champagner wie in der Tour de France, dafür aber auch ohne Doping. Wenn wir dann noch aus den Top100 fallen, so be it. Hauptsache „heibringe“!
Die "Auslaufzone" in Stellenbosch... Da hat man's geschafft.

1 Kommentar:

  1. Hallo ihr Zwei
    Jetzt heisst es noch einmal "Sand fressen" und alles aus dem geschundenen Körper quetschen! Erholen könnt ihr euch später, duck ...
    "Wenn wir dann noch aus den Top100 fallen, so be it". Glaub ich euch nicht, der Ehrgeiz lässt dies sicher nicht zu! Wünsche euch für Morgen alles Gute (weiterhin ohne Unfall). Ihr könnt mit dem Erreichten sehr Stolz sein! Habe gerade bemerkt, dass ihr Alain Prost (mehrfacher Formel-1-Weltmeister) hinter euch lässt. Cool!

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