Der heutige Tag fing denkbar schlecht an. Aufwachen, Oropax
ausstöpseln und...: "Das cha nöd sii! "Wasser prasselte auf unsere
Zelte... Es regnete... In Südafrika.. In den Ferien... Davon stand nichts im
Prospekt! Also standen wir missmutig auf und schlurften zum Esszelt rüber. Dort
war die Stimmung natürlich ebenfalls so betrübt wie der Himmel. Nach dem Essen
gab’s zwei Möglichkeiten. Sich nochmal ins Zelt zu verkriechen oder sich ein
ruhiges, abgelegenes Toitoi suchen und dort Facebook und Skype checken. Beides
führte zum gleichen Resultat: Nach 20 Minuten hatte der Regen aufgehört.
Trotzdem führten wir unsere Regenjacken sicherheitshalber den ganzen Tag über
mit. Letztes Jahr mussten etliche Fahrer mit Unterkühlungen behandelt werden,
weil sie nicht richtig ausgerüstet in einen Wetterumschwung gerieten. Wenn
einem das passiert und man die rettende Jacke auch noch in seiner Tasche gehabt
hätte, tut’s doppelt weh. Also sparten wir nicht am Gewicht.
Am Start standen wir zum 13. Mal in unserer Karriere in Startblock B. Diesmal
fanden wir den auch auf Anhieb, nicht wie gestern, als wir den Hintereingang
nehmen mussten. Startblock B liegt immer quer zu allen anderen Startblöcken und
man „defiliert“ sozusagen vor den vordersten Fahrern der anderen Startblöcke
vorbei. Nicht, dass wir das nötig hätten, aber gut tut’s schon…
Die Startphase verläuft von Tag zu Tag entspannter. Auf
einer breiten Asphaltstrasse fuhren wir
im „Verfolgerfeld“ aus Wellington raus. So lange hatten wir die Pros noch nie
im Blickfeld gehabt. Etwa 20 Minuten lang gondelten die auch nur so vor uns her.
Danach ging’s aber gleich ziemlich zur Sache. Ein erster heftiger Aufstieg
splitterte das ganze Feld auf und entspannte auch die Situation am folgenden
genialen Singletrail durch den Wald. Es fuhr sich fantastisch.
Nach Waterpoint 1
ging das grosse Leiden los. Gemäss Höhenprofil erwartete uns eher flaches
Gelände. Das will aber nichts heissen, denn auch da braucht es viel Kraft wenn
der Untergrund uneben oder sandig ist. Und so war’s auch. Gleichzeitig
versuchten wir immer, an zwei Fahrern dran zu bleiben, die eigentlich etwas zu
schnell fuhren. Aber allein gegen den Wind wäre noch heftiger geworden. So
kamen wir schon ziemlich ausgepowert am Waterpoint 2 an.
Im Fahrerbriefing wurde schon gesagt, dass dann nochmal ein
Kraftakt folgen würde… und so war’s auch. 3000 Höhenmeter mussten heute
wirklich verdient werden. Wir hielten aber weiterhin gut mit. Keine Ahnung, wo
die Kraft jetzt noch herkommt. Die Steigungen fahren wir tendenziell etwas konservativer
als unsere Gegner, dafür sind wir oben dann immer innert Sekunden wieder am Gas
geben, währendem um uns herum noch das grosse Luftholen angesagt ist.
Auf den letzten Kilometern durchfuhren wir verschiedene
wunderschöne Weingüter. Stellenbosch ist nur schon deshalb einen Besuch wert.
Nach Wein war uns aber nicht zu mute.. eher zum Weinen. Die kurzen aber harten
Steigungen tun nach 6 Tagen ziemlich weh. So kriegt der Ausdruck „Weingut“ eine
völlig neue Bedeutung.
Die Zieleinfahrt war dann aber fantastisch. Schon auf der ganzen Strecke hatte es enorm viele
Zuschauer, aber in Stellenbosch ist Ausnahmezustand. Das Cape Epic ist in
Südafrika, wie Mountainbiken allgemein, ein Riesending. Es ist eine einzige
grosse Chilbi hier.
Heute haben wir es auf den 88. Platz geschafft, was uns
unter die Top100, nämlich auf den 97. Platz bringt. Iiii-ha! Morgen geht’s noch
54km weit über 1550 Höhenmetern. All unseren Fans möchten wir jetzt schon
mitteilen, dass wir das morgen einfach nach Hause fahren wollen, keine Unfälle
oder Defekte riskieren und wollen und vor allem eine Triumphfahrt veranstalten
werden. Zwar ohne Champagner wie in der Tour de France, dafür aber auch ohne
Doping. Wenn wir dann noch aus den Top100 fallen, so be it. Hauptsache „heibringe“!
| Die "Auslaufzone" in Stellenbosch... Da hat man's geschafft. |
Hallo ihr Zwei
AntwortenLöschenJetzt heisst es noch einmal "Sand fressen" und alles aus dem geschundenen Körper quetschen! Erholen könnt ihr euch später, duck ...
"Wenn wir dann noch aus den Top100 fallen, so be it". Glaub ich euch nicht, der Ehrgeiz lässt dies sicher nicht zu! Wünsche euch für Morgen alles Gute (weiterhin ohne Unfall). Ihr könnt mit dem Erreichten sehr Stolz sein! Habe gerade bemerkt, dass ihr Alain Prost (mehrfacher Formel-1-Weltmeister) hinter euch lässt. Cool!